Handhabung von Hohlstrahlrohren bei der Innenbrandbekämpfung

Handhabung von Hohlstrahlrohren bei der Innenbrandbekämpfung - Interessante schwedische Löschmethode zur Bekämpfung von Vollbränden

In der Augustausgabe der BRANDSCHUTZ veröffentlichte die Feuerwehr Wuppertal in Zusammenarbeit mit Herrn Rune Eriksson von Lernia Tech in Skövde einen Artikel mit obiger Überschrift. In diesem Artikel beschreiben die Autoren ein Löschverfahren, bei dem das Löschwasser über Hohlstrahlrohre, bei denen der Sprühwinkel kontinuierlich verändert wird, abgegeben wird. Der Löscherfolg im Vergleich zu dem in Deutschland verbreiteten Impulslöschverfahren konnte empirisch als wirksamer belegt werden.

Eine ständige Hinterfragung des eigenen Handels, der berühmte „Blick über den Tellerrand“ und eine
Evaluation neuer Verfahren hinsichtlich der Übertragbarkeit auf die eigene Organisation sind geeignete Methoden für eine ständige Verbesserung im Rahmen des Qualitätsmanagement. Die schwedischen Feuerwehren machen uns dies seit Jahren vor und auch die Feuerwehr Wuppertal scheint also auf dem richtigen Weg zu sein.

Leider stellen die Feuerwehr Wuppertal und einige andere Feuerwehren, wie z.B. die Feuerwehr
Düsseldorf, in Deutschland damit wohl eher die Ausnahme dar. Längst nicht alle Feuerwehren haben erkannt, dass Atemschutzeinsätze heutzutage nur durch gut ausgebildete und lageabhängig handelnde Einsatzkräfte sicher und effektiv abzuarbeiten sind. Eine sichere Bedienung von Hohlstrahlrohren, auch unter Null-Sicht, ist hierbei nur eine von vielen Anforderungen, die an Atemschutzgeräteträger gestellt wird und leider all zu oft nicht erfüllt wird. Vielfach fehlt es auch an Grundlagenwissen u.a. aus den Bereichen Verbrennungsprozesse, Wärmeübertragung und Hohlstrahlrohre. Ohne dieses Grundlagenwissen ist ein lageabhängiger Strahlrohreinsatz aber nicht möglich. Strahlrohrführer, die beispielsweise nicht wissen, ob ihr Hohlstrahlrohr das Löschwasser über die gesamte Kegelfläche abgibt oder im Kegelinneren kein Löschwasser abgibt, warum ihnen wärmer wird, wenn sie doch kühlen, oder was die Anzeichen für Rauchgasdurchzündungen sind, sollten sich fragen, ob es sinnvoll ist an Einsätzen im Innenangriff teilzunehmen ohne die Auswirkungen des eigenen Handelns hinreichend abschätzen zu können. Gleiches gilt insbesondere auch für die verantwortlichen Führungskräfte.

Eine Erweiterung der Mindestanforderungen der FwDV 2 an Atemschutzgeräteträger scheint daher absolut erforderlich. Insbesondere die fehlende Forderung einer Ausbildung in Brandübungsanlagen ist nicht mehr zeitgemäß. Den Autoren muss in ihrer Aussage, dass die Ausbildungsmöglichkeiten zur Handhabung von Hohlstrahlrohren in Deutschland begrenzt sei, leider zugestimmt werden. Dies liegt meines Erachtens nach aber nicht an einem mangelndem Willen der Anbieter, sondern vielmehr an der fehlenden Forderung einer solchen Ausbildung und den damit zusammenhängenden Problemen der Bereitstellung finanzieller Mittel. Dennoch gibt es in Deutschland mehrere Anbieter für Ausbildungen zur korrekten Handhabung von Hohlstrahlrohren. Auch die schwedische Methode ist in Deutschland nichts Neues. Nach einem Erfahrungsaustausch mit dem Swedish Rescue Trainingscenter in Skövde und einem daraus entstandenen regelmäßigem Erfahrungsaustausch zwischen unserem leitenden Ausbilder und Rune Eriksson bietet HEAT Düsseldorf Schulungen für die schwedische Löschmethode in einer unserer Brandübungsanlagen, die der schwedischen „Garage“ entspricht, seit 2004 an. Nähere Informationen erhalten Sie durch eine Anfrage über das Kontaktformular.

Für die Zukunft stellt sich für den Bereich der Freiwilligen Feuerwehren also die Frage, ob wir unser Leben und unsere Existenzen weiterhin Einsatzkräften anvertrauen wollen, für die keine angemessene Ausbildung vorgeschrieben ist bzw. denen eine angemessen Ausbildung nicht ermöglicht wird und die mit immer neuen technischen Möglichkeiten und bürokratischen Regelungen überflutet werden. Aber warum sollten wir an der aktuellen Situation etwas ändern wollen, solange wir uns die Haare von Friseuren schneiden lassen, die hierfür eine mehrjährige Ausbildung zu absolvieren hatten?